Es war am Ende nicht allein der Überraschungserfolg über den favorisierten Gast aus dem Rheinlan, der die beiden Punkte auf dem Habenkonto der TGO so wertvoll machte. Vielmehr waren es die widrigen Umstände, denen Osthofen trotzte. Kein Thorsten Heck, kein Peter May, kein Steffen Urban, kein Manu Pfaff - allesamt verletzt. Dazu Fritz May im Ausland. Gerade mal "zwölf wackere Negerlein" standen Eduard Stitzel zur Verfügung.
"Wir werden wohl mit unserer Rumpftruppe nicht viel ausrichten können", mutmaßte der TGO-Coach deshalb vor dem Match etwas niedergeschlagen dreinblickend. Und dann auch noch jene Szene nach sieben gespielten Minuten. Marius Stumm - bis zu diesem Moment bester Osthofener mit drei klasse Toren zum 3:3-Zwischenstand - stemmte sich in der Abwehr gegen UVS-Angreifer Andre Albrecht. Der riss sich ohne Rücksicht auf Verluste brutal los, und verdrehte dem TGO'ler dabei das linke Knie. Ein Aufschrei der Empörung aus 400 Kehlen...
Adrenalin pur. Die Fans pfiffen Albrecht bis zum Ende der Partie gnadenlos aus. "Wir haben für Marius gespielt", beschrieb TGO-Spielertrainer Leo Vuletic den Tunnel, in dem sich seine Mannschaft fortan befand. Alle im Kader kämpften für ihren verletzten Mitspieler, der auf der Bank noch minutenlang unter Schmerzen behandelt wurde. Über 4:4 (10.), 12:9 (20.), 15:11 (25.) bis hin zum 18:12-Halbzeitstand spielte sich Osthofen in einen wahren Rausch. Vuletic: "Eine 1a-Leistung der Mannschaft."
Dazu - neben der großen kämpferischen Komponenten - spielerisch die wohl besten 30 Minuten dieser Saison. Dem überragenden Leo Vuletic (13/6) und seinen Nebenleuten gelang einfach alles. Ob Lars Heymann (3) von Rechtsaußen, Michi Keller (6) aus dem rechten Rückraum, Benny Kühling (4) zentral, Christoph Kreisel (2) am Kreis oder der wie die Eiger Nordwand im Kasten stehende Hermann Pitthan (18 Paraden) - alle agierten am obersten Limit. Kein Wunder, dass die Zuschauer ihre Mannschaft zur Pause mit stehenden Ovationen in die Kabine geleiteten.
Wer nun ob der enormen Energieleistung einen Einbruch der Hausherren im zweiten Durchgang erwartet hätte, sah sich getäuscht. "Das lassen wir uns nicht mehr nehmen", machte Vuletic sein Team heiß. Ganz souverän schaukelten die "Rot-Weißen" das Ding dann auch unter dem lang anhaltenden Applaus ihrer Fans zum 34:27-Erfolg nach Hause. Und Marius Stumm? "Das sieht nicht gut aus", fürchtet Vuletic. Man müsse die Untersuchung jetzt mal abwarten.
TG Osthofen: Pitthan, Montino; Keller (6), A. Stumm, Bitsch (2), Zellmer (1), Kühling (4), Heymann (3), M. Stumm (3), Vuletic (13/6), Kreisel (2), Feil.
Veröffentlicht am 03.03.2009 von Rudolf Strauch
